Geplantes Impfzentrum

Der VfL Oker zeigt sich entsetzt
Debatte um Helmut-Sander-Halle: Folgen für Schul- und Vereinssport - Kino hätte keine Zusatzkosten verursacht
Von Oliver Stade
Oker. Die Auswahl der Helmut-Sander-Sporthalle in Oker als Corona-Impfzentrum für den Landkreis Goslar bedeutet für die Beteiligten viel organisatorische Feinarbeit, aber auch Frust und Ärger. Isabell Lenius, Leiterin der Adolf-Grimme-Gesamtschule, blickt noch einigermaßen gelassen auf die Situation. Der VfL Oker hingegen zeigt sich entsetzt und sieht in der Standortwahl eine Existenzfrage.
Während der VfL Oker, wie der Vorsitzende Dr. Jürgen Lauterbach sagt, von der Entscheidung aus der Zeitung überrascht wurde, war Lenius informiert. Gleichwohl spricht sie von einer "großen Herausforderung". Das Hauptproblem werde sein, Ausweichquartiere für den Sportunterricht zu finden.
Herausfordernde Planung
Nach Auskunft von Isabell Lenius sind 25 Klassen und Kurse betroffen, wenn die Helmut-Sander-Halle voraussichtlich für länger als ein halbes Jahr als Impfzentrum belegt wird. Sportunterricht werde an fünf Tagen in der Woche gegeben. Und so wie die eigene Halle in engen Abständen belegt sei, sehe es vermutlich auch in anderen Hallen aus.
"Auch für unseren Stundenplan wird es schwierig, das so hinzubekommen, dass es passt", sagt Lenius und verweist darauf, dass die Schüler ihren Sportunterricht künftig in weiter entfernt liegenden Hallen erhalten, zu denen sie gefahren werden müssen. Sie wirft die Frage der Schülerbeförderung auf und erinnert daran, dass der Sport zum festen Unterrichtsangebot gehöre. Außerdem sei Sport besonders in Pandemiezeiten wichtig. In Abstimmung mit dem Landkreis und dem Landesamt für Schule und Bildung werde eine Lösung gesucht.
Im VfL Oker herrscht Alarmstimmung. Vorsitzender Lauterbach sagt: "Das ist eine ziemliche Katastrophe für den Verein." Gegenwärtig sei zwar ohnehin kein Sport

möglich, aber wenn der Lockdown ende und die Halle vom Verein weiterhin nicht genutzt werden könne, befürchtet er Austritte. "Das bedeutet eine existenzielle Bedrohung für den Verein." Betroffen seien vor allem die Turner, aber auch Fußballer und Tischtennisspieler, die zwar eine eigene Halle hätten, aber bei Turnieren ausweichen würden.
Ein Nullsummenspiel
Noch am Montagabend, als die Standortwahl für das Impfzentrum bekannt wurde, hatte Rolf Palitza, Leiter der Turnabteilung, reagiert und eine Warn-Mail an den Vorstand verschickt. Die Telefondrähte zu den Kümmerern und Kommunalpolitikern Okers liefen heiß. Palitza sieht die Turnsparte bedroht. Es gebe im gesamten Landkreis keine andere Halle, in der Jugendturnen möglich sei, weil die Geräte dazu fehlen würden, sagt er. Und wenn die Turnsparte sterbe, sei das Freibad in Oker ebenfalls bedroht, es werde von den Turnern betreut. Palitza sagt: "Man gibt wegen Corona Milliarden aus, aber das Ehrenamt tritt man mit Füßen." Palitza meint, die Goldene Aue sei besser geeignet, weil dort zwei Hallen nebeneinander liegen würden.
Der Landkreis Goslar sucht derweil nach Alternativen für die Turner (siehe Bericht unten), er hat die Diskussion ohnehin kommen sehen. Sie wäre nicht aufgekommen, wenn die Kreisverwaltung das Impfzentrum im "Cineplex" in der Baßgeige Goslar hätte einrichten dürfen, das aus Sicht der Behörde mehrere Vorteile aufweist.
Das Land Niedersachsen lehnte den favorisierten Vorschlag unter Verweis vor allem auf die Mietkosten ab (GZ berichtete). "Wissen Sie, wie teuer das ist?", sagte jemand aus Hannover über den Antrag des Landkreises. Nach GZ-lnformationen wäre die Miete indes nicht höher ausgefallen, als die Corona-Überbrückungshilfe, die der Bund zahlt und die im Fall einer Mietzahlung entfallen wäre, wie es heißt. Für die öffentliche Hand, so erklärt es jemand, der im Thema steckt, wären durch die Miete keine zusätzlichen Kosten entstanden.
GZ-Bericht vom 09.12.2020

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